Hier
finden Sie das Abstimmungsresultat vom 9. Februar 2014.
________________________________________________________________________________________
Bund 04.01.14
Konkordat-Gegner lancieren «harten Kampf» - und die Befürworter
nehmen ihn an
Fünf Wochen vor der Abstimmung über das Hooligan-Konkordat
haben die Gegner ihre Kampagne gestartet. Doch auch das Pro-Lager rüstet
sich. Timo Kollbrunner
Was haben der SVP-Grossrat Thomas Fuchs, der grüne Kantonspolitiker
Blaise Kropf, der Mundartsänger Kuno Lauener, der FDP-Nationalrat
Christian Wasserfallen und die BDP-Grossrätin Vania Kohli gemeinsam?
Sie engagieren sich gegen die Verschärfungen im «Konkordat
über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen»,
über der Kanton Bern am 9. Februar abstimmt. Gestern hat das Komitee
«Nein zur Konkordats-Verschärfung» im Stadion des Schlittschuh-Clubs
Bern seine Kampagne vorgestellt, mit der es das Stimmvolk von einem Nein
überzeugen will. Dass dies eine schwere Aufgabe sein dürfte,
zeigt ein Blick nach Zürich, wo im Sommer über die Verschärfungen
im Hooligan-Konkordat abgestimmt wurde: Über 85 Prozent sagten dort
Ja. Die Berner Konkordats-Gegner richteten den Blick gestern deshalb lieber
nach Basel: in Basel-Stadt hat der Grosse Rat vor drei Wochen den Verschärfungen
eine klare Abfuhr erteilt. Von einem aussichtslosen Unterfangen wollte
jedenfalls keiner sprechen. Fuchs sagte, er sei «nicht so sicher,
ob wir das nicht doch noch gewinnen können». Kropf, Co-Präsident
des Komitees, kann sich vorstellen, «dass wir ein gutes Resultat
bis hin zu einer knappen Mehrheit schaffen können». Und SP-Nationalrat
Matthias Aebischer sagte: «Wenn es uns gelingt, den Leuten zu erklären,
worum es wirklich geht, halte ich es für möglich, in den 50-Prozent-Bereich
zu kommen.» Aber es werde «ein harter Kampf».
Gerichtsurteil kommt wohl zu spät
Die vorgesehenen Massnahmen - etwa, dass Gästefans in bestimmten
Zügen anreisen müssen oder dass private Sicherheitskräfte
Besucher künftig auch im Intimbereich über den Kleidern abtasten
dürften - seien «unverhältnismässig», «nicht
zielführend» und «grundrechtsverletzend», betonten
die Gegner gestern einmal mehr. Zumindest Letzteres hat das Bundesgericht
zu entscheiden. Dort sind zwei Beschwerden von Fangruppen gegen das Konkordat
hängig. Wann das Urteil des Bundesgerichts vorliege, sei kaum vorherzusagen,
sagte der Rechtsanwalt Martin Looser, der die Beschwerdeführer vertritt,
gestern auf Anfrage. «Es kann in einem Monat da sein, es kann aber
auch noch ein halbes Jahr dauern.» Ob tatsächlich gewisse Punkte
im Konkordat gegen Grundrecht verstossen, werden die bernischen Stimmbürger
also wohl erst wissen, nachdem sie abgestimmt haben. Für seine Kampagne
steht dem Nein- Komitee ein «hoher fünfstelliger Betrag»
zur Verfügung. Das meiste Geld stamme aus Beiträgen der Fanorganisationen,
hiess es gestern. Die sieben grossen Fussball- und Eishockeyvereine des
Kantons, die sich im März gemeinsam gegen die Verschärfungen
ausgesprochen haben, beteiligen sich dagegen nicht finanziell - was Blaise
Kropf bedauert. Die Klubs hätten es in der Hand gehabt, «die
Ausgangslage massiv zu verbessern», sagte er. Er habe allerdings
«ein gewisses Verständnis» dafür, dass sich die
Vereine «nicht zu sehr involvieren» wollten. Acht Grossräte
und Nause sagen Ja
Während die Konkordats-Gegner ihre Kampagne
lanciert haben, befindet sich auch ein Ja-Komitee «im Aufbau»,
wie von EVP -Grossrat Ruedi Löffel auf Anfrage zu erfahren war. Löffel
hat jene 108 Kantonsparlamentarier angeschrieben, die sich für die
Verschärfungen ausgesprochen haben. Bis Mitte Januar haben diese
Zeit, zu entscheiden, ob sie sich als Mitglieder aufführen lassen
und 50 Franken beisteuern wollen. Klar ist bereits, wer das Co-Präsidium
der Konkordats-Befürworter bilden wird. Es sind neun Männer.
Acht von ihnen sind Grossräte, je einer aus jeder Fraktion. Da sind
etwa der frisch gewählte Könizer Gemeinderat Thomas Brönnimann
(GLP), der Bieler Freisinnige Pierre-Yves Grivel oder der sozialdemokratische
Thuner Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler. Der Neunte im Bunde ist
dessen Amtskollege in der Stadt Bern, Gemeinderat Reto Nause (CVP). Mit
Blick nach Zürich stellt sich die Frage: Ist diese Ja-Kampagne überhaupt
nötig? Wird das Volk nicht sowieso klar Ja sagen? Die Situation in
Bern sei eine andere als jene in Zürich, findet Löffel. In Bern
gebe es mehr Erstligaklubs, und die Fanklubs seien
besser organisiert. «Ich glaube nicht, dass die Abstimmung so klar
ausgeht und das Konkordat einfach so telquel eine Mehrheit findet.»
.
zurück
|